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Sind übergewichtige Personen "faul"? Eine Übersicht zu Ursachen und Maßnahmen

Adipositas Ursachen und Maßnahmen

Wir möchten mit diesem Blog-Beitrag dazu beitragen, über die potentiellen negativen gesundheitlichen Folgen für Betroffene von Adipositas aufzuklären. Dabei möchten wir einen oft unterschätzten Faktor näher aufgreifen: der Umgang von negativen Emotionen bzw. Stress von betroffenen Personen. Außerdem widmen wir uns der Frage: Wie viel positives kann Sport oder eine gesunde Ernährung tatsächlich bewirken?

Wie problematisch chronisches Untergewicht für die eigene Gesundheit sein kann, haben wir bereits in einem früheren Blog-Artikel zur Problematik von Essstörungen thematisiert. Auf der anderen Seite des Körpergewichts-Spektrums steht demnach das Übergewicht. Dabei bedeutet Übergewicht nicht automatisch negative gesundheitliche Konsequenzen für Betroffene. Es kommt wesentlich auf den Schweregrad des Übergewichts an. Die schwerste und somit problematische Form von Übergewicht ist auch als „Adipositas“ bekannt. Doch welche Ursachen können dazu führen, dass eine Person übergewichtig wird und wie wirkt man dem am besten entgegen?

Adipositas als „Epidemie“?

Menschen die von starkem, problematischem Übergewicht betroffen sind, werden medizinisch als „adipös“ bezeichnet. Die Grenze zu „normalem Übergewicht“ wird bis heute – im Konsens der Forscher bzw. Mediziner - mit dem klassischen Body-Mass-Index (BMI) berechnet und kategorisiert. Dabei wird „normales Körpergewicht“ mit einem BMI zwischen 18,5 – 25 bewertet. Ab einem Wert von 25 – 30 zählt man bereits als übergewichtig, bei Werten ab 30 bereits als adipös. Im klinischen Kontext wird darüber hinaus noch zwischen 3 Adipositas-Schweregraden unterschieden. Obwohl es heutzutage inzwischen bessere, aussagekräftigere Methoden gibt, um Übergewicht zu messen (Körperfett-Anteil, „WtHR „oder „ABSI“), bleibt der BMI noch das Standardverfahren.

Adipositas wird als die globale, gesundheitliche Epidemie des 21. Jahrhunderts bezeichnet – und diese Einschätzung stammt nicht von ungefähr. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt bereits seit Ende des letzten Jahrhunderts über die alarmierenden, negativen Entwicklungen weltweit [1][2]. Insbesondere die steigende Rate von Übergewicht bei jungen Kindern und Jugendlichen wird dabei immer wieder betont. Die Gesellschaften in den Industrieländern, wie in den europäischen Staaten oder in den USA (immer wieder äußerst populär erwähnt in diesem Zusammenhang) stechen dabei in den weltweiten Statistiken hervor. In den USA sollen mittlerweile zwischen 35-40% der Erwachsenen von Übergewicht betroffen sein. Auffällig hingegen ist, dass Populationen in Afrika oder Asien am seltensten betroffen sind. Man vermutet dahinter bis heute (die sehr augenscheinlichen) Faktoren wie chronische Mangelernährung, die in nach wie vor großen Teilen dieser Regionen vorherrscht. Das Geschlecht spielt übrigens beinahe keine nennenswerte Rolle, denn Männer und Frauen sind fast gleichermaßen häufig von Übergewicht bzw. Adipositas betroffen.

Immer wieder wird von den astronomischen Kosten für die Volkswirtschaft berichtet, wenn man die langfristigen Investitionen des Gesundheitssystems bedenkt. Doch uns interessiert dies in diesem Blog-Beitrag nun weniger. Wir möchten vielmehr auf die Ursachen und folglich die wichtigsten, hilfreichen Maßnahmen eingehen, um mehr Bewusstsein im Umgang dieser Erkrankung zu bewirken.

Wie lebt es sich mit Adipositas?

Wir wissen heute aus gesicherten Forschungsergebnissen, dass Personen die unter Adipositas leiden, ein erhöhtes gesundheitliches Risiko für eine Vielzahl unterschiedlicher Folgeerkrankungen tragen [3]. Abgesehen von den körperlichen – und somit medizinisch diagnostizierbaren – Symptomen wie Atemnot und Schlafstörungen, orthopädische Probleme wie Rückenschmerzen oder auch Stoffwechselstörungen, gibt es noch einen kritischen Aspekt, der oft nicht die nötige Aufmerksamkeit erhält: die mentale Gesundheit der Betroffenen. Diese kann – insbesondere bei stark übergewichtigen Personen – enorm darunter leiden. Die Folgen sind oftmals ein mangelndes Selbstwertgefühl und Isolation [3]. Ein negativer Teufelskreis kann entstehen.

Ursachen I – Bewegungsmangel und schlechte Ernährung?

Allzu oft würde man, vor allem als Außenstehender den Betroffenen natürlich die falsche und schlechte (Über-Ernährung) oder mangelnde körperliche Bewegung als primäre Ursachen zuschreiben. „Die Person ist einfach zu faul“ lautet sehr schnell das abstempelnde Urteil gegenüber den Betroffenen.

Darüber hinaus vergisst man jedoch sehr häufig, dass auch genetische Dispositionen – also natürliche Erbanlagen die von Generation zu Generation weitergegeben werden – dafür verantwortlich sein können. Ob diese Dispositionen alleine ausreichend sind, um Adipositas entstehen lassen zu können, ist bisher nicht eindeutig – man geht heutzutage eher von dem Verständnis aus, dass die beiden Komponenten – 1) ungünstige Lebensgewohnheiten und 2) ungünstige Erbanlagen – vorhanden sein müssen. Außerdem gibt es eine Reihe von Erkrankungen, wie etwa bei Schilddrüsen-Unterfunktion, die unweigerlich zu chronischem Übergewicht führen kann [4]. Ein weiterer biologischer Faktor ist der sogenannte „Leptinstoffwechsel“. Das Hormon Leptin wird im menschlichen Fettgewebe (in den sog. „Adipozyten“) produziert und gespeichert. Es spielt eine Schlüsselrolle für die Regulation des Hungergefühls und der Körperfettverteilung. Sobald der Leptinspiegel hoch ist, erzeugt dies ein Sättigungsgefühl und regt den Stoffwechsel ganz automatisch an. Im Falle einer Leptinresistenz wird das natürliche Sättigungsgefühl ignoriert – die Folge daraus bedeutet, dass betroffene Personen essen und essen und nicht richtig satt werden können. Eine Leptinresistenz wird im Laufe des Lebens erworben und ist zumeist Folge eines ungesunden Lebensstils – dies kann aber wieder umgekehrt werden. Tatsache ist also: Die Lebensstil-Faktoren (regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung) sind tatsächlich sehr bedeutsame Ursachen für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Adipositas. Im Umkehrschluss sind diese beiden Maßnahmen auch unbedingt erforderlich um effektiv gegen Übergewicht vorzugehen.

In jedem Fall ist eine medizinische Abklärung zu den individuellen Ursachen von Adipositas unbedingt erforderlich. Selbst der Gang zum Hausarzt um diese Problematik anzusprechen, fällt vielen Betroffenen jedoch alles andere als leicht. Aus Angst oder Scham wird das Problem womöglich noch vor sich hergeschoben.

Ursachen II – Stressbewältigung und Umgang mit Emotionen!

Der Umgang mit negativen Emotionen ist daher ein kritischer Aspekt, der leider noch kaum die nötige Beachtung erhält. Adipöse Menschen haben ein höheres Risiko für die Anwendung von „nicht-adäquaten Strategien der Emotionsregulation“. Das klingt zunächst kompliziert, ist aber einfach auf den Punkt gebracht. Mit Emotionsregulation meint man nichts anderes, als den „Umgang von Gefühlen“.

Jeder Mensch wendet sein eigenes, erlerntes Repertoire an Strategien an um mit den individuell erlebten Emotionen umzugehen. Dies ist an einem einfachen Beispiel zu veranschaulichen: Eine Person kommt abends gestresst von der Arbeit nach Hause. Um mit diesen negativem Gefühl besser umgehen zu können (bzw. um die „Emotion regulieren zu können“), hätte die Person nun die Möglichkeit sich beispielsweise mit Freunden zu treffen um darüber zu sprechen und somit den erlebten Stress verarbeiten zu können. Die wäre ein Beispiel für eine „adäquate“ Strategie der Emotionsregulation.

Eine „indäquate“ Emotionsregulations-Strategie hingegen wäre nun, um beim gleichen Beispiel zu bleiben, wenn die gestresste Person abends zuhause eine ordentliche Portion Nachspeise zum vielleicht ohnehin schon üppigen Abendessen verzehrt, obwohl kein richtiges Hungergefühl dafür vorhanden ist. Als „Emotional Eating“ (Emotionales Essen) wird dieses Verhalten auch bezeichnet.

Seien wir uns einmal ehrlich, fast jeder kennt und hat diese Situation bereits einmal oder öfters erlebt. In dem bekannten Spruch „Essen macht glücklich“, steckt viel Wahrheit. Doch wird dieses Verhalten sehr häufig angewendet und etabliert es sich als bewährte Strategie um sich „besser zu fühlen“, so können sich Betroffene mit Neigung zum Übergewicht in einen gefährlichen Teufelskreis bewegen. Aufgrund des regelmäßigen Überessens können sich wiederum weitere negative Gefühlen wie Schuld, Scham oder gar Ekel entwickeln. Schließlich werden diese neuen, negativen Gefühlszustände wiederum das Auftreten von Emotionalem Essen fortan begünstigen.

Welche Maßnahmen helfen nun?

Für die erfolgreiche Behandlung von Adipositas empfiehlt sich immer eine umfangreiche medizinisch- und psychologisch-diagnostische Abklärung. Vor allem um mögliche andere Erkrankungen als Ursache ausschließen zu können. Leichte Bewegung im Alltag und die Gewöhnung an moderate, aber regelmäßige Sport-Trainingseinheiten sind und bleiben aber immer entscheidend. Die Art der Ernährung bzw. das Ernährungsverhalten spielt fast noch eine entscheidendere Rolle. Es muss den Betroffenen gelingen, zu verstehen, dass nur sie selber die Entwicklung ihrer Erkrankung in den Händen haben.

Der erste Schritt ist das Schaffen von Bewusstsein für diese Erkrankung, für die Betroffenen selber aber ebenfalls im sozialen Umfeld. Anschließend sollte idealerweise professioneller Rat von ExpertInnen eingeholt werden. Diese sind dann dafür zuständig individuell-abgestimmte Maßnahmen mit den Betroffenen auszuarbeiten und konsequent umzusetzen. Im Endeffekt ist eine Lebensumstellung notwendig. Dabei sind Maßnahmen wie strikte, eintönige Diäten oder zu intensives Training absolut nicht geeignet. Vielmehr muss Schritt für Schritt an einem neuen Lebensstil gearbeitet werden, um ein langfristig positives Ergebnis erzielen zu können, und zwar Schritt für Schritt (buchstäblich!). 

Hast du Fragen? Melde dich bei uns! Falls du persönliche Beratung in diesem Zusammenhang benötigst, oder jemanden kennst, auf den dies zutrifft, dann melde dich bei uns – wir von TrueSpirit gehen diesen Weg konsequent gemeinsam und bieten professionelle Unterstützung an.

 

Verwendete Quellen:

[1] WHO (1999). OBESITY: PREVENTING AND MANAGING THE GLOBAL EPIDEMIC. WHO Consultation on Obesity: Geneva, Switzerland.

[2] McGowan B.M. (2016). A Practical Guide to Engaging Individuals with Obesity. Obesity Facts, 9, 182-192.

[3] Online-Portal für Gesundheit: http://www.gesundheit.de/ernaehrung/essstoerungen/adipositas-folgen

[4] Online-Portal für Medizin: http://www.netdoktor.at/krankheit/fettleibigkeit-fettsucht-adipositas-7454

   

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