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Faszien - ein unterschätztes Gewebe

Faszien - ein unterschätztes Gewebe

Beschäftigt man sich etwas mit unserer Anatomie und den verschiedenen Systemen, die unseren Körper lebensfähig machen kommen Begriffe wie Skelett, Muskulatur oder das Nervensystem schnell in den Sinn. Ein jedoch oft vergessenes und gleichzeitig weit unterschätztes System ist das Faszien–System, welches auch bekannt ist als unser Bindegewebe. 

Faszien haben in den letzten Jahren stark an Bekanntheit zugenommen. Ausgebildete medizinische Fachkräfte in den Bereichen der Physiotherapie, Osteopathie oder Orthopädie betrachten mittlerweile nicht mehr ausschließlich Muskeln, Knochen und Gelenke sondern beziehen das Bindegewebe in ihren Behandlungen mit ein. Nun stellt sich die Frage – wie essentiell sind Behandlungen des faszialen Systems, welche Resultate kannst du erwarten und wie kannst du es in deinen Trainingsplan miteinbeziehen?

Faszien – das Spinnennetz unseres Körpers

Bildlich gesprochen gleicht das fasziale System einem riesigen Spinnennetz [1], welches unseren gesamten Körper umschließt, formt und unter Spannung hält. Faszien umhüllen jegliche Muskeln, Knochen und Organe - Faszien umschließen aber genauso Nerven und Gefäße. Man muss sie sich als einen elastischen Ganzkörperanzug vorstellen, der unser Skelett stützt und dem Körper seine anatomische Form gibt. Das Bindegewebe ist hauchdünn und maximal nur einige Millimeter dick [2]. Aufgrund der oben genannten Tatsachen, ist es logisch, dass unsere Faszien bei jeglicher Bewegung beteiligt sind und einen essentiellen Beitrag zu den Bewegungsmechanismen des Körpers und somit zu unserer Fitness und Gesundheit liefern. Beispielsweise dienen sie der Kraftübertragung zwischen Muskulatur und Skelett, da Sehnen - die Knochen und Muskeln miteinander verbinden - oder auch Bänder, die unsere Gelenke stabilisieren ebenfalls aus faszialem Gewebe bestehen. Ebenfalls hat es eine stabilisierende Funktion: Es schützt Organe und kann bei ausreichender Mobilität den gesamten Bewegungsapparat vor sehr großen Krafteinflüssen schützen. Somit steht fest – unsere Faszien sind kein totes Füllmaterial, wie noch vor einiger Zeit angenommen wurde, sondern ganz im Gegenteil: ein zusätzliches Sinnesorgan mit phänomenalen Eigenschaften, welche nun nach und nach in den Fokus der wissenschaftlichen Untersuchung und Behandlungsmethoden gelangen [3].

Faszien – das „Wunderkind“ mit vielen Fähigkeiten

Woraus bestehen Faszien? In Kürze beschrieben, setzen sich Faszien hauptsächlich aus Proteinen und Wasser zusammen. 

Diese vier Hauptbestandteile bilden die Faszie:

  • Kollagen – Sogenannte Strukturproteine, die sich durch enorme Reißfestigkeit auszeichnen. Trotz ihrer Stärke sind sie sehr dehnbar und geben dem Körper seine Form und Struktur.
  • Elastin – ebenfalls ein Strukturprotein, das stark dehnbar ist. Vergleichbar mit einem Gummiband, das immer wieder in seine Ausgangsform zurückkehrt.
  • Bindegewebszellen – Sie sind für die Produktion der Faszienfasern zuständig. Je nach Bedarf und Beanspruchung des Muskels wird eine erforderte Menge gebildet. Alle zwei Jahre wird das gesamte fasziale Netz nach und nach erneuert. Bindegewebszellen scheiden außerdem Enzyme und Botenstoffe aus und kommunizieren somit miteinander.
  • Matrix – so wird die Flüssigkeit beschrieben, welche die Faszienfasern und Bindegewebszellen umgibt. In dieser Flüssigkeit finden sich Abwehrzellen, Lymphzellen und Fettzellen sowie Nervenendigungen, Blutgefäße und Wasser wieder. Je nach Bedarf, Funktion und Fasertyp variiert die Flüssigkeit.

Diese Bausteine bilden zusammen das riesige fasziale Netz. Um das Ganze etwas genauer zu betrachten: Lockeres und faseriges Gewebe, das unsere Organe und die unteren Hautschichten auspolstert, findet sich in großen Mengen in unseren Körpern wieder und enthält viel Flüssigkeit. Im Gegenzug dazu ist das parallelfaseriges Gewebe enorm reißfest und besteht hauptsächlich aus Kollagenbündel. Diese Form umhüllt Organe und Muskeln und bildet unsere Bänder, Sehnen und Kapseln. Eine weitere Form ist das sogenannte unregelmäßige Bindegewebe, welches die Hirnhaut und Unterhaut bildet. Es besteht aus vielen Fasern und Kollagenbündel, jedoch relativ wenig Flüssigkeit und Elastin. Je nach Beanspruchung reagiert unser fasziales System und stellt sich auf die jeweilige Aufgabe ein [4][5].

Die Hauptfunktionen der Faszien

  • Faszien umhüllen und verbinden Muskeln, Bänder, Sehnen, Gelenke und Knochen. Somit dienen sie der Stützfunktion und sorgen für die Kraftübertragung vom beweglichen Muskel über Sehnen und Bänder auf die starren Knochen.
  • Trägerfunktion von Nerven-, Gefäß-, und Lymphsystem
  • Schutzfunktion vor Verletzungen – Faszien sind dafür verantwortlich, dass Gelenke, Bänder, Muskeln und Knochen ohne Probleme aneinander vorbei gleiten. Außerdem schützen sie vor Fremdeinwirkung. Bei guter Verfassung schützen sie vor Stößen und Schlägen von Außen und bilden eine Art Schutzhülle.
  • Das Fasziensystem unterstützt unser Immunsystem, indem es wie eine Art Barriere für Bakterien bildet und sogenannte „Fresszellen“ Krankheitserreger bekämpfen
  • Faszien als Sinnesorgan: Sie enthalten zahlreiche Nervenenden, die Reize und Informationen empfangen und weiterleiten. Somit ist es direkt mit unserem vegetativen Nervensystem verbunden, welches viele lebenswichtige Körperfunktionen steuert. Ebenfalls dienen unsere Faszien als Propriorezeptoren, die ständig Informationen über Haltung und Bewegung liefern.

Was passiert bei Vernachlässigung und was du dagegen tun kannst?

Durch mangelnde Bewegung, falscher Körperhaltung aber auch inkorrektem Training können Faszien verfilzen, verkleben und kleine Risse bekommen. Dadurch werden Entzündungsstoffe ausgeschüttet, die in weiterer Folge zu schmerzhaften und chronischen Verletzungen führen. Ein typisches Beispiel sind Rückenschmerzen, die entstehen, wenn die Faszie im Lendenwirbelsäulen-Bereich bei zu ständigem Sitzen überstrapaziert wird und so nach und nach vernachlässigt wird und damit zu Schaden kommt. Zusätzliche Faktoren sind zum Einen entzündungsfördernde Ernährung [6], unter welche besonders die viszeralen (organische) Faszien leiden. Zum Anderen auch negativer Stress, wodurch nämlich gewisse Hormone ausgeschüttet werden, die für eine Anspannung der Faszien sorgen - sogar ohne, dass der Muskel aktiviert wird. Bist du jedoch von chronischem Stress betroffen, kann die Faszie ihre Anspannung nicht mehr lösen und beginnt zu verhärten.

Unter dem Strich: Achte auf deine Faszien. Ausgewogene Ernährung, ausreichende Bewegung und Kontrolle deines Stresslevels sind der Beginn eines gesunden Faszien-Systems. Damit ist es jedoch nicht immer getan. Es wäre sehr ratsam ein Faszientraining mit einigen wenigen Übungen 3-4x wöchentlich in deinen Trainingsplan zu integrieren. Beuge belastende Rückenschmerzen am besten somit gleich vor. Denn gesunde Faszien helfen dir nicht nur Schmerzen zu vermeiden, sondern genauso deine Beweglichkeit zu steigern oder dein Kraft- und Fitnessniveau wesentlich anzuheben. 

Wie immer stehen wir dir gerne bei Fragen zur Seite und du kannst dir mehr Informationen zu diesem Themenbereich jederzeit gerne noch einmal bei einem kostenlosen Erstgespräch erklären lassen.

Verwendete Quellen:

[1] http://www.functional-training-magazin.de/wp-content/uploads/2014/10/faszientraining.jpg

[2] http://tacos-fitnessblog.de/wp-content/uploads/2015/06/Faszie-Muskelfaser-©-ARD-Faszien-Geheimnissvolle-Bänder-.jpg

[3] http://www.ardmediathek.de/tv/SWR-odysso/Die-Erforschung-der-Faszien-Sind-Faszie/SWR-Fernsehen/Video?documentId=24243428&bcastId=246888

[4] https://www.sportastisch.com/faszien-aufbau-funktion-aufgaben-training/

[5] https://www.gymondo.de/magazin/gesundheit/faszien-bindegewebe

[6] http://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/gesundessen/die-anti-entzuendungsdiaet-wie-die-ernaehrung-entzuendliche-prozesse-beeinflusst_aid_1057003.html

  

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